Kajak / Kanu Selbstbau – Ist das was für mich?

Stitch & Glue Selbstbaukajak

Beispiel für einen Stitch & Glue Sperrholzbau nach Plänen von Bateau.com

In diesem Artikel möchte ich gerne die ersten Schritte für den Selbstbau eines Kanus bzw. Kajaks besprechen.
In den kommenden Wochen werde ich schrittweise den Bau eines Kajaks beschreiben, von den ersten Schritten wie der Planauswahl bis zu hilfreichen Tipps und Tricks!
Dabei werde ich unter anderem verschiedene Baumethoden und auch verschiedene Konstrukteure vorstellen!

Schritt 1: kompletter Selbstbau oder doch lieber einen Bausatz kaufen?

Diese Frage sollte an erster Stelle stehen, denn danach entscheidet sich, welchen Konstrukteur bzw. welches Design man nimmt und welche Werkzeuge man benötigt.

Wer handwerklich geschickt ist und schon einmal eine Stichsäge und einen Hobel in der Hand hatte, der sollte auch in der Lage sein, komplett selbst zu bauen.
Sollte man jedoch unsicher sein, ob man es selbst schafft, empfhielt es sich auf bereits fertige Bausätze zurück zu greifen, hier gibt es eine große Anzahl an Herstellern, die einen kompletten Bausatz liefern.

ein vernünftiger Bausatz sollte folgende Teile beinhalten:

  • Bauplan mit detailierter Baubeschreibung, möglichst mit vielen detailierten Bildern
  • das komplette Epoxy
  • Gewebebänder zum verstärken der Nähte
  • das komplette Holz, bei Sperrholzbauten CNC gefräst, bei Leistenbauten mit Nut und Feder (siehe unten)

Mögliche Adressen für solche Bausätze sind folgende:

Ich würde empfehlen sich auf einen dieser Hersteller festzulegen, denn es werden auch minderwertige Bootsbausätze verkauft und dann hat man eine Menge Geld in den Sand gesetzt.
Ob sich ein Bausatz finaziell rentiert wird in einem anderen Kapitel betrachtet.

Sollte man sich hingegen für einen kompletten Selbstbau entscheiden sind folgende Adressen für Baupläne zu empfehlen:

beherrscht man englisch, so sind folgende Seiten empfehlenswert:

Was gibt es eigentlich für Bauweisen?

Beispiel für ein Sperrholzkanu nach Plänen von Bateau.com

Prinzipiell unterscheidet man für den Selbstbau zwei Bauweisen, zum einen die Stitch & glue Bauweise, wo zugesäte Sperrholzteile in Form gebogen, mit Kabelbindern oder Draht in Form gehalten werden und anschließend so genannte Hohlkelhen (Spachtelkehlen) zur Verteifung gezogen werden.

Zum anderen gibt es die Leistenbauweise wo aus dutzenden von Leisten, die aneinander geklebt werden die Bootsform entsteht.
Durch eine anschließende Beschichtung mit Epoxied und Glasgewebe von beiden Seiten wird der Rumpf extrem stabil, aber bleibt trotzdem ein absolutes leichtgewicht.
Diese Bauweise bezeichnet man auch als Sandwichbauweise, da der Holzkern lediglich die Form vorgibt und die versteifende Wirkung durch das Glasgewebe zu stande kommt.

Und welcher Bauplan ist jetzt was für mich?

Diese Frage stellt sich angesichts der Fülle an verfügbaren Plänen. Die Antwort jedoch gestaltet sich nicht so leicht.
Folgende Frage sollte man sich zuerst stellen:

Möchte ich ein Sperrholzboot, oder möchte ich ein leistegeplanktes Kayak/Kanu ?

Hier sollte man die Sperrholzbauten nicht vorschnell verurteilen, denn auch diese sind optisch durchaus ansprechend, wie viele Beispiele von Chesepeake beweisen!
Für den totalen Neueinstieg sollte man ein Sperrholzbau wählen, um zu testen ob man Spaß an der Sache hat!

Leistenkanu nach Plänen von feathercanoes.com

Was kostet mich denn der Spaß?

Diese Frage ist für viele die ausschlaggebende. Hier sei gesagt, wer nur die Motivation hat Geld zu sparen und schnell mit dem bauen fertig zu werden, der sollte aufhören zu lesen und bei eBay suchen.
Ein Selbstbau wird in den seltesten Fällen finanziell atraktiv sein.
Vielmehr sollte die Motivation darin liegen, etwas eigenes zu schaffen, mit den Händen aktiv zu werden und mit Spaß und Freude an die Sache zu gehen. Solch ein Projekt ist ideal für ein paar Vater/Sohn Wochenenden!

Aber nun zu ein paar Zahlen. Anfangs sei gesagt, dass ein Sperrholzbau günstiger sein wird als ein Leistenbau.
Ein durchschnittler Sperrholzbau wird ca. 4 Platten (2,44 x 1,22m) Bootsbausperrholz und ca. 5kg Epoxied benötigen.
Je nach Qualität sind hier bereits 300 bis 400€ zu veranschlagen!
Dazu kommen natürlich noch Glasgewebebänder, ein wenig Massivholz, Sitze, Füßstützen usw.
Durch die große Anzahl an verschiedenen Komponenten lässt sich kein Gesamptreis nennen.
Vielmehr macht es Sinn sich seine eigene Ausstattung zusammen zu suchen und beispielsweise in Excel die Kosten hierfür zu überschlagen.
Bei einem Leistenbau hingegen ist die Frage, ob man selbst in der Lage ist die Leisten zu sägen und zu fräsen, oder ob man auf fertige Ware zurückgreifen muss.
Sollte ersteres der Fall sein sollte man für Holz und Epoxy mit ca. 400€ rechnen und sollte man die Leisten kaufen müssen sind durchaus 500 bis 700€ realistisch!

Aber wie bereits erwähnt sollte der finazielle Aspekt eher im Hintergrund stehen!

Was benötige ich denn an Werkzeug?

kurz und bündig eine Empfehlung meinerseits für einen kompletten Selbstbau:

Sperrholzbau:

  • Stichsäge
  • Akkuschrauber
  • Handhobel
  • Handwerkerminimalausstattung (Bleistift, Zollstock, Hammer, Winkel)
  • Schraubzwigen (mindestens 5, aber man kann nie genug haben!)

für einen Leistenbau:

die obige Ausstattung +

  • Wasserkocher zum dämpfen des Holzes
  • Tacker
  • Handsäge (Ryoba oder Kataba Sägen sind Japansägen und sehr zu empfehlen!)

sollte man die Leisten selbst herstellen wollen dann noch:

  • Fräse
  • Tischssäge
  • Dickenhobel

Bald gehts weiter …..
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