Restauration der Kiebitz Teil 2

Teil 1: Wie alles begann lesen ….

Das Boot

… ist ein schöner Film, hat aber hoffentlich nichts mit meinem Boot zu tun! Ich möchte weder beschossen, noch zum Alarmtauchen gezwungen werden! Und nu mal ehrlich, so viele Leute mag ich auch nicht immer um mich haben. Zurzeit könnte mir aber das Gespenst (Johann) aus dem Dieselraum ein eine echte Hilfe sein!

Damit es nicht weiter zu Verwechslungen kommt, möchte ich „das Boot“ näher vorstellen. Die wichtigsten Parameter hab ich ja schon genannt.

Clipboard04Das Licht dieser Welt hat es vor 19 Jahren als Projekt 1401 erblickt. Die Russen „brauchen“ für alles ein Projekt! Aber dazu später mehr. Gebaut wurde es in zwei Versionen. Die Kabinenvariante, wie ich eins habe und die offene Variante. Letztere wurde dann gern als Zubringerfahrzeug von (Marine)Schiff zu Schiff genutzt. Meine Variante war wohl eher als Patrouillenboot im Einsatz. Nebenstehend ist ein Riss der offenen Variante dargestellt. Leider ist die Bildqualität nicht besonders gut, aber es war das einzige was überhaupt aufzutreiben war.

Aber es wird schon reichen, um sich einen Überblick über die Form und Ausrüstung zu verschaffen. Unter der durchgehenden hinteren Sitzbank ist das V-Getriebe untergebracht. Es ist ölgeschmiert und wird mit Seewasser gekühlt. Rechts und links vom Getriebe sind die bereits erwähnten 50 Liter fassenden Treibstofftanks untergebracht. Auf dem Riss schlecht zu sehen, ist das hydraulisch geschaltete Wendegetriebe, welches direkt an den Motor angeflanscht ist. Das „Steueröl“ ist das zur Schmierung verwendete Motoröl. Im Getriebe werden eigentlich nur zwei unterschiedliche Kupplungen eingerückt. Diese Einscheiben-Kupplungen laufen im separaten Ölbad. Auch dieses Getriebe hat einen eingebauten Wärmetauscher, der vom Seewasser durchflossen wird. Der Motor ist mit einer Zweikreiskühlanlage ausgerüstet. Seewasser wird über ein Seewasserventil und nachgeschalteten Filter von einer Kreiselpumpe angesaugt, passiert dann den ÖL / Wasserwärmetauscher und dann den Wasser / Wasserwärmetauscher. Ersterer ist mit einer Abschaltvorrichtung (Wasserseite) für die kälteren Tage ausgestattet. Außerdem ist am Öleingang eine Art Druckregelung verbaut. Wenn der Druck zu hoch wird, öffnet eine federbelastete Kugel und lässt Öl in die Motorölwanne abfließen. Das machte auf der letzten Probefahrt Probleme. Aber dazu später mehr.

Nach passieren der beiden oben genannten Wärmetauscher „teilt“ sich der Seewasserverlauf. Ein Teil zweigt in Richtung Getriebekühlung ab und „verlässt“ nach dem Winkelgetriebe durch die Stopfbuchse das Boot. Der andere Teil wird nach den Abgassammelrohren in die Abgasleitung eingespritzt. Die Abgassammelrohre werden vom Motorkühlwasser gekühlt. Der eigentliche Motorkühlkreislauf verfügt über einen Thermostaten. Zum inneren Kreis gehören der Block und die beiden Abgassammler. Der Rest gehört zum äußeren Kreis. Zum System gehören dann noch der obligatorische Ausgleichsbehälter und die Kreiselpumpe für das Motorwasser. Gesamtfassungsvermögen Motorkühlwasser 25l! Motorölwechsel braucht nur 14l und wird über eine eigens dafür an der Ölwanne angebaute (absperrbare) Handpumpe durchgeführt. Ist bei mir aber leider bis auf den Absperrhahn zurückgebaut worden. L

Der gesamte Motorraum und die beiden Getriebe bilden die hintere wasserdichte Sektion. Alle Steuerseile, Kabel und Treibstoffleitungen werden über wasserdichte Buchsen geführt. Hinter der Rückenlehne der oben bereits erwähnten Sitzbank befinden sich die beiden CO2 Druckflaschen mit manueller Auslösung.

Feuerlöschanlage StB

Feuerlöschanlage StB

StB Treibstofftank mit "Messschraube"

StB Treibstofftank mit "Messschraube"

Das V-Getriebe

Das V-Getriebe

Zur Brandschutzausrüstung gehören weiterhin ein Handfeuerlöscher in der Kabine, eine Feuerlöschdecke und ein fernbetätigtes Treibstoffventil. Es ist am Motor angeordnet und wird über ein 6mm Stahlseil betätigt. Der „Auslöser“ für dies Ventil sitz unten rechts in der Verkleidung der hinteren Sitzbank.

Im Vergleich zur Abbildung 1 ist bei meinem Boot die 2. Sitzbank in der Form nicht vorhanden. Auf Höhe der Rückenlehne steht bei mir die Rückwand der Kabine. Hinter dem Fahrersitz und auf der StB-Seite sind jeweils Sitzbänke quer angeordnet. In der Seitenwand auf der BB-Seite verlaufen die Steuerseile und der im Stahlrohr geführte Kabelbaum. An der Schottwand zum Motorraum befindet sich eine entsprechende Kabeldurchführung, die mit Feuerschutzzement verschlossen ist.

Auf dem „Freideck“ zwischen Kabinenrückwand und hinterer Sitzbank befindet sich in der StB-Seitenwand der Anker mit der vorgeschriebenen 25m Leine. Einen Kettenvorlauf habe ich im Moment noch nicht. Ist aber auch nicht unbedingt erforderlich, da sich im Normalfall immer eine Stelle in „meinem“ Fahrgebiet findet, wo ein gefahrloses auflaufen auf den weichen Sandstrand möglich ist. Bedingt durch die Bootsgröße ist ein übernachten eh nicht wirklich drin.

Die Kabine und das „Freideck“ bilden die Mittelsektion des Bootes. Die Vorderkante der Windschutzscheibe bildet die vordere Begrenzung der Kabine. Der Bugraum ist nur durch ein versiegeltes Schott zugänglich. Hier ein paar Impressionen aus der Kabine.

Die "Brücke" :-)

Die "Brücke" :-)

Detailansicht "Steuerstand"

Detailansicht "Steuerstand"

Ruderlageanzeiger

Ruderlageanzeiger

Kabelbaum und Bugschott

Kabelbaum und Bugschott

Füllstandsanzeigen

Füllstandsanzeigen

Die Aufnahmen sind alle bei der Übernahme des Bootes entstanden, stellen also sozusagen den „Urzustand“ dar. Im Moment bin ich mir noch nicht sicher, wie der Umbau erfolgen wird. Vielleicht doch eine größere Kabine, oder doch „nur“ eine Generalüberholung bei weitestgehender Erhaltung des Originalzustandes. Das werden die Testfahrten ergeben. Aber bevor es raus aufs Wasser geht, habe ich erst einmal Vorratsanzeigen für die beiden Tanks eingebaut. Bei dem angeblich hohen Treibstoffverbrauch einer mir unbekannten Maschine beuge ich lieber vor. Klar hab ich noch einen 20 Liter Reservekanister mit an Bord, aber wer mag schon immer im Kreis vor dem eigenen Anleger rumfahren, nur damit er mit dem Reservesprit wieder „an Land“ kommt. ICH NICHT! Bei der Gelegenheit hab ich gleich mal das Treibstoffsystem untersucht, die Absperrventile der Tanks auf Durchgang und Dichtheit und die Funktion des Brandhahns geprüft. Alles in Ordnung.

In der Nacht vor der großen Ausfahrt hat es geregnet, wie verrückt! Als ich morgens zum Boot kam, hatte ich in der Kabine reichlich Wasser stehen, zwar unter den Bodenblechen, aber es störte! Und was keine Miete zahlt muss nun mal raus! J Also Probefahrt verschoben und ab zum Bootsausrüster. Zwei Bilgenpumpen, ein BEP-Paneel, Borddurchlässe und Kleinkram beschafft. Einbau war dank des AlMg5 Rumpfes auch kein sonderliches Problem.

BEP-Marine -Paneel

BEP-Marine -Paneel

Das BEP-Marine Paneel fand seinen Platz hinter der Rückenlehne der Sitzbank auf dem „Freideck“. Es hat einen separaten Abgang von der Batterie. Über dieses Paneel werden beide Pumpen (Automatik / Hand) sowie eine zusätzliche Spritumfüllpumpe geschaltet. Wir haben hier zwar auch Wassertankstellen, aber die Preise sind doch recht…. Naja meine Kollegen in der Marina haben alle 20 Liter Plastekanister mit denen sie Ihre Pötte befüllen. Natürlich geht da immer mal was daneben! Außerdem bin ich viel zu faul um 5 Minuten mit dem Kanister im Arm zu warten, bis der Sprit im Tank verschwunden ist. Also habe ich mir im lokalen Kfz-Ersatzteilhandel eine schicke BOSCH Pumpe besorgt. Die passt doch glatt durch die Öffnung. So kann ich den Kanister bequem auf die Rücksitzbank stellen, den Kraftstoffschlauch in einen der Tankeinfüllstutzen hängen und warten bis der Kanister leer ist! Also gleich noch ein wenig Komfort mit eingebaut. Und weil Basteln und Bauen so viel Spaß macht und das Werkzeug schon mal an Bord war, hab ich mir noch einen GPS-Plotter mit Fischfinder gegönnt und eingebaut. Weil ich von einem älteren Projekt noch eine Kombiantenne für GPS, GSM und UKW rumliegen hatte, hab ich die auf der Kabine verbaut. So konnte ich den Garmin 520s an die Stelle bauen, wo er für mich gut erreichbar ist. Dort ging der Empfang des GPS-Signals zwar noch leidlich, aber sicher ist sicher.

Kombiantenne

Kombiantenne

GPS-Plotter

GPS-Plotter

Beim Einbau der Kombiantenne habe ich auch gleich das einzige Leck im Dach verschlossen. Die Kabeldurchführung für die Top-Laterne war mit der Zeit undicht geworden. Dadurch kam Regenwasser in die Kabine, suchte sich einen Weg unter der „Deckentäfelung“ bis zum Rand derselben um dann auf die alte Abdeckung des „Armaturenbrettes“ zu tropfen und viel schlimmer dahinter zu laufen. Ergebnis, das Holz war aufgequollen und recht unansehnlich. Ich hab’s in der extra dafür eingerichteten „Balkontischlerei“ erneuert.

Nun war alles bereit und die Probefahrt konnte starten. Wie es sich gehört, vorher alle Flüssigkeiten überprüft, Kühlwasser im inneren Kreislauf aufgefüllt. Warum eigentlich? Naja es war sehr heiß in der Zeit, wird wohl verdunstet sein… So jedenfalls meine „Ausrede“ für den Moment.

Also alle Mann an Bord und ab dafür……

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