Wie alles begann!
Hallo, ich möchte mich erst einmal kurz vorstellen. Ich heiße Thomas, bin 44 Jahre alt, seit kurzem glücklich geschieden und arbeite seit Februar 2005 durchgehend in der Russischen Föderation. Ein-satzort ist Samara. Eine recht große Stadt an der Wolga gelegen.

Mein erstes Boot 2006
Da der Betreiber der Anlage ein sehr fürsorglicher Mensch ist und wir auch ein wenig Abwechslung haben sollten, wurden meine anderen deutschen Mitstreiter und ich zu Beginn des Sommers 2006 erst einmal zum Bootsführerschein „machen“ geschickt. Nach bestandener Prüfung wurde auch recht bald das erste Boot zu Wasser gelassen und entsprechend getauft. Es war ein kleines gemütli-ches Boot von „Four Wings“ mit recht angenehmen Fahreigenschaften. Auch die Endgeschwindigkeit war nicht übertrieben hoch.
Wir hatten damals sehr viel zu tun, der Werksaufbau war gerade in vollem Gange. So „mussten“ sich 4 Leute ein Boot an nur wenigen Sommerwochenenden teilen. Leider sind die Sommer hier in Samara kürzer wie in Deutschland. Somit kam es dann an den Wochenenden immer mal wieder zu Stauungen. Im nächsten Jahr wurde das kleine verkauft, dafür zwei größere angeschafft. Somit entspannte sich die Situation dann ein wenig. Ich teilte mir ein Boot mit Gert. Und unser dritter Kollege teilte sich eins mit dem Anlagenbetreiber. Leider hatten diese größeren Boote recht unangenehme Fahreigenschaften. Es lief nur unter Volllast einigermaßen kursstabil, konnte aber Seitenwind auf den Tod nicht ausstehen. Als Skipper auf der „Plastebuddel“ hattest Du jedenfalls alle Hände voll zu tun. Aber wir kamen eh nicht so oft aufs Wasser. 2008 war ein schwarzes Jahr, erst ein neuer Investor mit hochtrabenden Plänen die dann doch nichts wurden, dann der plötzliche Tod von meinem Kollegen und guten Freund Gert. In der ersten Sommerhälfte hatten wir keine Zeit und in der zweiten hatte ich nicht wirklich Lust mit dem Boot zu fahren. Eigentlich wollte ich gar nicht mehr aufs Wasser.
Zwischenzeitlich habe ich eine neue Wohnung bezogen, mit direktem Blick auf die Wolga. Nun kam dies Frühjahr und die Wolga wurde wieder eisfrei, die Tage länger und im Werk war auch nicht mehr so viel zu tun. Meine russischen Kollegen beherrschen die eingebaute Technik mittlerweile auch recht gut, so das meine Wochenenden auch immer seltener von Störungsbeseitigungen unterbrochen wurden. Es wurde langweilig. Alles sehenswerte in der näheren und weiteren Umgebung war schon besucht, und jedes Wochenende Party geht dann auch irgendwie auf die Leber.
Irgendwann im April kam mir die Idee! Ich kaufe mir wieder ein Boot! Ein eigenes, nach meinen Vorstellungen und Wünschen! Damit waren die Probleme auch schon da! Meine Lebensgefährtin kann nicht schwimmen und hat entsprechend Angst auf dem Wasser! L Also muss das Boot stabil sein! Ich wollte eigentlich ein Boot mit dem ich mir die Natur rechts und links der Wolga ansehen kann. Also sollte es auch im unteren Geschwindigkeitsbereich vernünftig laufen. Wir wollen auch mal ein ganzes Wochenende darauf verbringen. Also sollte es halbwegs groß aber dennoch handlich sein! Ich brauchte einen Ausgleich an den Wochenenden. Also musste es eins sein, an dem Ma(n)n noch selber schrauben kann! Es sollte problemlos von einem allein gefahren werden können.
Ergebnis aller Betrachtungen war eine Eierlegendewollmilchsau. Ok, Größe und Stabilität führten uns in den Bereich der Metallschiffe. Holzboote gibt es auf dem russischen Markt so gut wie keine. GFK hatten wir beide von vorn herein ausgeschlossen. Als Obergrenze für die Größe hatten wir uns um die 12m geeinigt. Der Finanzen wegen kam ein neues Boot nicht in Frage. Also ging die Suche los.
Es dauerte auch gar nicht so lange, bis wir was Passendes gefunden hatten.

Mein immer noch heimlicher Favourit
Es war ein KS-101 mit Wasserstrahlantrieb getrieben von einem V8 Diesel mit satten 170PS, gut 12m lang, 3m breit sehr stabil und in gutem Zustand. Preis war auch OK! Zum Glück ging mir Julia mit der Zulassung solange auf die Nerven, das ich die Unterzeichnung vom Kaufvertrag auf nach den Termin mit der entsprechenden Behörde verschob. Aber wer war zuständig? Nach endlos vielen Telefonaten stellte sich raus, das das Boot nur im Flussregister registriert werden kann. Es gibt hier in Russland 2 Behörden, die auch zur Freude aller Beteiligten, oder besser Leidtragenden, sich auch noch spinnefeind sind. Die eine ist das sogenannte Flussregister, eigentlich für die Berufsschiffahrt zuständig. Daher bräuchte ich bei einer Registrierung im Flussregister auch ein entsprechendes Kapitänspatent oder einen angestellten Kapitän, Funk- und Radarausrüstung, jährliche Inspektionen und und und… Die andere Organisation ist die GIMS, eher mit unserer Entenschutzpolizei vergleichbar und hauptsächlich für Sport- und Spaßboote zuständig. Letztere hat deutlich geringere Auflagen. Leider konnte ich keinen Weg finden den KS dort zuzulassen. Es ging nicht weil er mehr als 75PS hat, einen Jetantrieb hat und keine Hochseezulassung hat. Die ganzen GFK-Buddeln mit bis zu 2*700PS die hier durch die Gegend heizen haben alle eine „Hochseezulassung“, zumindest für den küstennahen Bereich. Daher werden die auch alle unter GIMS registriert. Es gibt zwar eine modifizierte Variante vom KS 101, aber nur als Neubau. Bei den Preisen, die in Gegenwart eines Ausländers aufgerufen werden, schwimme ich lieber!
Also haben wir den Kriegsrat einberufen, neue Suchkriterien festgelegt und das ganze von vorn angefangen. Erst hier ist mir bewusst geworden, dass auf dem russischen Markt zwar Metallboote bis ca. 5m und dann erst wieder ab 12m in ausreichender Menge und brauchbarem Zustand verfügbar sind. Erstere fallen wegen der oben genannten Gründe und unserer „elfengleichen Statur“ eher aus. Die zweite Gruppe gehört meist in das Reich des Flussregisters oder ist einfach zu groß um von einer Person alleine gefahren zu werden.
Hier mal ein paar Beispiele was man so alles finden kann:
[Galerie nicht gefunden]Ich hatte während der erneuten Suche eine Menge Spaß, fast jeden Tag ein neues altes Boot gucken! Wie Weihnachten! Nur meine Julia hatte während der Zeit gewaltig zu leiden. Erst meine fast grenzenlose Vorfreude und Ungeduld! „Es könnte ja heute DER Treffer gelandet werden!“ Und danach die fast genauso große Enttäuschung, wenn‘s mal wieder nur Schrott und / oder ein unverschämter Preis war. An dieser Stelle noch mal ein ganz großes Danke! Hast Du fein gemacht!
Irgendwann Ende Mai habe ich dann, nicht zuletzt des lieben Friedens willen, gesagt:“Dies wird die letzte Runde, wenn es jetzt nicht klappt, dann eben nicht!“
Und ich hatte Glück! Ich habe meinen Kiebitz gefunden!

"Mein" Kiebitz (чøñøÑÂ) von vorn…

... und von hinten
Zugegeben, er ist (noch) nicht besonders ansehnlich, aber dafür einsatzbereit und mit guten Genen versehen. Also Länge über alles 7,05m; KWL 6,40m; Freibord knapp 0,9m; Tiefgang 0,6m; Rumpf aus 4mm AlMg5 (Aluminium-Magnesium Legierung); Aufbauten aus 3mm AlMg5; 19 Jahre alt und mit einem 100 PS 4,95l V8 Benzinmotor befeuert. Die 2*50l Treibstofftanks sollen bei Volllast (2900rpm) mit gut 38km/h für gut 4 Stunden reichen. Ich hab’s noch nicht ausprobiert, da der Motor zurzeit nicht höher drehen will wie 2100rpm. Aber das wird schon noch! Das Beste an dem Boot, es ist aus erster Hand und nicht verbastelt. Leider aber auch den damaligen Gegebenheiten entsprechend nicht besonders gut gepflegt. Aber das verwundert nicht, in den 90-er Jahren muss in Russland das absolute Chaos geherrscht haben. Es gab von allem nicht viel und das wurde wohl auch noch unter der Hand vertickert…. Ich kann mich selber noch an eine doppelte Auszeichnung der Preise für höherwertige Güter (Auto, Plasma-TV…) in Rubel und $ erinnern. Dies wurde dann aber Mitte 2005 abgeschafft, oder besser verboten.
So, nun wisst Ihr wie die Story mit meinem Boot begann!
Hallo Sebastian,
so weit so gut. Schade nur, das Du die Bildunterschriften “Verschluckt” hast. Kannst Du den Kiebitz bitte wieder maennlich machen?
Ansonsten wird das schon mit den Zugriffen, die meisten sind ja wohl noch im Urlaub….
Gruesse aus dem Osten,
Thomas
Oh sorry,
habe ich geändert, das mit den Bildunterschriften funktioniert leider nicht so leicht …
mal schauen …
Wenn du dich anmeldet auf der Seite kann ich den Artikel auch dir zuweisen, dann stehst du als Autor drin und kannst diesen auch selbst bearbeiten wenn du möchtest
Gruß
Sebastian
Hallo Sebastian,
danke für die Änderung. Ich bin doch hier schon lange angemeldet!
Das mit den Bildunterschriften ist kein Problem, bei der folgenden “Fortsetzung” werd ich es berücksichtigen und den Text in die Bilder setzen.
Gruß Thomas
stimmt, sorry kannst du mir nochmal deine E-Mail schreiben, die hast du nicht angegeben oder wurde nicht übernommen, deswegen gibt es da ein paar Problemchen
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